Die Instrumentalisierung der Kultur

Im Doppelgesicht des "Dritten Reiches" trug auch die hohe Kultur zur Ästhetisierung der Politik und zum falschen Glanz bei. Die Machtübernahme durch Hitler führte zur Emigration vieler politisch exponierter und rassisch diskriminierter Künstler, Wissenschaftler und Intellektueller. Der Verlust an Kreativität und künstlerischer und kultureller Kompetenz war übergroß und nicht durch völkisch-nationalsozialistisches Mittelmaß zu ersetzen. Von der Kultur wurden propagandistische Effekte für das Regime erwartet. Entweder durch Themen und Motive, die die ideologische Weltanschauung stützten oder aber durch neutrale, ablenkende, unterhaltende Stoffe, die eine heile bürgerliche Welt nach innen und außen vorgaukelten. Nicht nur die nationalsozialistisch engagierten Künstler stützten das Regime durch eine Fassade, wie sie das Goebbels-Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda zum Ziel gesetzt hatte. Auch und gerade die Künstler, die nur für ihre Kunst leben wollten oder in die innere Emogration gingen, wurden, soweit sie nicht den nationalsozialistischen Doktrinen entgegen standen, nach außen und innen instrumentalisiert. Anderenfalls drohte der Ausschluß aus der Reichskulturkammer und Berufsverbot. Die engagierte, demokratisch orientierte Kunst wurde 1933 ausgelöscht. Eine Fassade bürgerlicher Kultur wurde aufrecht erhalten und, sofern diese für das Regime deutbar und nutzbar war, auch in hohem Maße durch hohe Gagen, Honorare und Privilegien gefördert. Das "Dritte Reich" hat sich wesentlich durch seine "Kulturleistungen" definiert, durch Kultur und Kunst, die rückwärts gewandt waren und denen alles Humanistische, Pazifistische und Emanzipatorische fehlte.